Anwendungsfälle für Design Thinking in der Klinik

Anwendungsfälle für Design Thinking in der Klinik

Design Thinking

In unserem Beitrag „Design Thinking im Krankenhaus – Patientenorientierung als Erfolgsfaktor“ haben wir Ihnen bereits den Design Thinking Ansatz vorgestellt und aufgezeigt, dass der agile Innovationsansatz Krankenhäuser nicht nur kulturell verändern, sondern auch erfolgreicher machen kann.

In dieser Fortsetzung werfen wir einen Blick auf konkrete „Use Cases“ von Design Thinking im Krankenhaus.

Mit Design Thinking können Sie, entweder eingebettet in eine übergeordnete Agilisierungs-Strategie oder auch punktuell über Workshops, folgende Herausforderungen Ihrer Klinik angehen:

  • Optimierung von Patientenprozessen wie Interaktion oder Kommunikation: Prozessoptimierung umfasst hier weit mehr als Effizienzsteigerung oder reine Digitalisierung. Abläufe, die den Patienten einbeziehen schenken ihm Transparenz, was Zufriedenheit, Kooperationsbereitschaft im besten Fall sogar schnellere Genesung bewirkt. Dem Klinikpersonal kann Design Thinking deutliche Entlastung bringen. 
  • Optimierung von Patientenmanagement und Dokumentation, z. B. durch digitale Innovation und Transparenzsteigerung 
  • Verbesserung von Patientenservices, was Zufriedenheit steigert und Stress reduziert 
  • Planung von neuen Stationen, Gebäuden oder ganzen Kliniken (inklusive architektonischer Anforderungen), in die Patient*innen von Beginn an mit einbezogen werden. 

Best Practice Beispiele: Wie Kliniken durch Design Thinking patientennäher wurden

Zur Planung der neuen Kinderambulanz des Landeskrankenhaus-Universitätsklinikums Graz wurde in einem 600 Quadratmeter großem Zelt sechs Monate lang ein neuer Notfallprozess und mit Klinikpersonal und echten Patienten von Anmeldung bis Entlassung durchgespielt. 

Als Ergebnis stand ein kindgerechtes und modernes Behandlungsangebot. Patienten- und Mitarbeiterströme werden nun deutlich effizienter gesteuert, was kürzere und besser abgestimmte Behandlungen ermöglicht. Eine effiziente „Vortriage“ der Patient*innen ohne Termin wurde durch eine neue „Quick Look Nurse“ als erste Ansprechpartnerin möglich. Die Zeit bis zum ärztlichen Erstkontakt wurde deutlich reduziert – innerhalb von zehn Minuten! Behandlungsschritte sind transparent nachvollziehbar und durch Dokumentation in Echtzeit wurden Redundanzen beseitigt. Aufgrund des großen Erfolgs werden nun alle Prozesse in einer Simulationszone durch ein interdisziplinäres Team geplant (Quelle: Hollenstein, Angerer, Liberatore, Kriech, Kikel (2018) Innovative Krankenhausprozesse nach dem Design Thinking-Ansatz – Die Potenziale interprofessionell genutzter Simulationszonen). 

Führungskräfte der Rotterdamer Augenklinik führten mit Design Thinking eine Reihe kostengünstiger aber wirkungsvoller Innovationen ein, die Patientensicherheit, Behandlungsqualität erhöhten, die Auslastung um 47 Prozent steigerten und ihnen Innovationspreise bescherten. Erfolgsgeschichten waren Patientenkommunikationstrainings für das Klinikpersonal, Mobile Apps zur Patientenermächtigung, als Gebrauchsanleitung für Augentropfen, zur besseren Zusammenarbeit der Ärzte und zum Angstabbau bei jungen Patient*innen, eine weniger angsteinflößende Gestaltung der Kinderstation sowie nicht zuletzt passende Tiermotive auf Kitteln der Kinderaugenärzte und T-Shirts ihrer kleinen Patient*innen, die Vertrauen schufen. (Quelle: https://hbr.org/2016/12/how-design-thinking-turned-one-hospital-into-a-bright-and-comforting-place

Das Tan Tock Seng Hospital in Singapur verringerte mit Design Thinking trotz steigender Patientenzahlen die Wartezeiten um 40 Prozent durch räumliche Umgestaltung des Gebäudes und durch neudefinierte patientenfreundlichere Prozesse wie z. B. einer „Dezentralisierung“ der Leistungserbringung. (Quelle: https://govinsider.asia/innovation/what-works-this-hospital-cut-waiting-times-by-40/ ) 

Wie kann Design Thinking im Krankenhaus angewendet werden? 

Während den genannten Erfolgsgeschichten teilweise lang andauernde, wissenschaftlich begleitete Prozesse zugrunde lagen, gibt es durchaus Abkürzungen zu den Design-Thinking-Vorteilen. In so genannten Design Sprints können Sie, angeleitet von erfahrenen Coaches, in (etwa) fünf Tagen alle Design-Thinking-Phasen auf eine konkrete Herausforderung anwenden. Schon einzelne Design-Thinking-Workshops verleihen Ihnen mit ausgewählten Methoden Verständnis der Patientenperspektive und bringen oft hervorragende Ideen hervor. Wesentlicher Erfolgsfaktor im Design Thinking ist dabei die Lösungsfindung in interdisziplinären Teams. Ein Design Sprint oder Design-Thinking-Workshop sollte daher mit Teilnehmer*innen verschiedener Hierarchiestufen aus medizinischem, kaufmännischem und Pflege-Bereich besetzt sein und auch Branchenfremde Personen einschließen, um das „Scheuklappenrisiko“ zu minimieren. 

Vom Training im Rahmen der Personalentwicklung bis zum Einzelcoaching gibt es viele Wege die agile Haltung im Krankenhaus zu verbreiten oder einzelne Mitarbeiter*innen zu ermächtigen, patientenzentrierte Innovation anzustoßen. In ganzheitlichen Strategie- oder Transformationsprojekten können –  zahlreichen Best Practice Beispielen anderer Branchen folgend – ausgewählte Design-Thinking-Elemente in Krankenhausprozesse integriert werden. 

Fragen Sie sich, wie Design Thinking Ihre Klinik verändern kann? Ich freue mich auf Ihre Nachricht.

Alexander Bruntz